Hermann Veith

Demokratielernen – von Anfang an! (Vortrag)

Überfordert man Kinder nicht, wenn man mit Demokratiebildung bereits in Kindertageseinrichtungen beginnt, so wie es inzwischen vielerorts geschieht? Genügt es nicht, sich in der Schule politisch zu bilden? Warum soll man schon im Kleinkindalter lernen, demokratisch zu handeln? Umgekehrt spricht nichts dagegen, Kinder bei Fragen, die ihr gemeinsames Miteinander betreffen, kindgerecht und entwicklungsadäquat zu beteiligen – ihnen also Gelegenheiten zu Rollen- und Verantwortungsübernahmen zu geben, die gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse einschließen. Solche Gelegenheiten können gerade Kindertageseinrichtungen bieten, wenn man sie als pädagogische Orte für praktisches Demokratielernen konzipiert und ausgestaltet. Auch Demokratiekompetenz muss sich schließlich entwickeln. Die damit verbundene pädagogische Aufgabe ist jedoch herausfordernd. Denn die Beteiligung von Kindern an demokratischen Praktiken erzeugt bisweilen auch Probleme und Konflikte, die nicht immer von den Kindern selbst gelöst oder geklärt werden können. Gerade deshalb müssen pädagogische Fachkräfte die demokratischen Praktiken der Kinder vorausschauend und mit professioneller Responsivität begleiten. Im Vortrag will ich begründen, warum Demokratielernen von Anfang möglich ist und wie Demokratielernen die soziale und moralische Kompetenzentwicklung fördert.

Prof. Dr. Hermann Veith ist Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialisationsforschung an der Georg-August-Universität Göttingen. Er beschäftigt sich mit den Themen „Sozialisation und Kompetenzentwicklung“, „Demokratiebildung und Demokratiekompetenz“. Er leitet das Netzwerk Lehrkräftefortbildung der Georg-August-Universität Göttingen und ist Vorsitzender des Trägervereins des Bundeswettbewerbs „Demokratisch Handeln“.