Fabienne Becker-Stoll

Bindungssicherheit und Stressbewältigung in schwierigen Zeiten (Vortrag)

Die Bindungsforschung zeigt vielfach wie frühe und kontinuierliche Beziehungserfahrungen zu den primären Bezugspersonen die sozialen, kommunikativen und emotionale Kompetenzen langfristig beeinflussen und wie wichtig es ist, von Geburt an die Grundbedürfnisse nach Bindung, Kompetenz und Autonomie adäquat zu befriedigen. Dies setzt jedoch bei den Bezugs- und Erziehungspersonen einerseits das Wissen um die Bindungsentwicklung in verschiedenen Alters- und Entwicklungsphasen der Kindheit und andererseits die Fähigkeit zum feinfühligen Umgang mit dem Kind voraus. Feinfühlige Bindungspersonen sind für das Kind die sichere Basis, von der aus es die Welt erkunden kann und der sichere Hafen, zu dem das Kind zurückkehren kann. Die längsschnittliche Bindungsforschung zeigt, dass die eigenen Bindungserfahrungen unsere Fähigkeit beeinflusst mit Belastungen umzugehen und auch in stressigen Situationen feinfühlig auf die Signale und Bedürfnisse von Kindern zur reagieren. Gleichzeitig bietet eine sichere Bindung die beste Voraussetzung für Kompetenzentwicklung. Die Erfahrung von sicheren Bindungsbeziehung und feinfühliger Zuwendung bilden eine wichtige Grundlage für eine gesunde Entwicklung bis ins Erwachsenenalter – und für gute Stressbewältigung auch in schwierigen Zeiten.

Prof. Dr. phil. Fabienne Becker-Stoll, Diplom-Psychologin; seit 2006 Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Studium der Psychologie in Regensburg und Promotion bei Prof. Dr. Klaus Grossmann zur Bindungsentwicklung von der frühen Kindheit bis ins Jugendalter. Ab 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München; 2005 Habilitation an der LMU München, seit 2012 APL-Professur an der LMU München. Forschungsschwerpunkte: Bindungs- und Explorationsentwicklung von der Kindheit bis ins Jugendalter, Bildung und Beziehungsqualität, Qualität frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung.