S P I E L R Ä U M E – E N T W I C K L U N G S R Ä U M E

Innere Stärke durch Bewegung, Kunst & Musik

XVI. Kongress für Erziehung und Bildung
9./10. Oktober 2015 im ZHG der Universität Göttingen

Spielräume - Entwicklungsräume - XVI. Kongress für Erziehung und Bildung in Göttingen

Mattis, 7 Jahre

Spiel- und Erlebnisräume schaffen
Für ihre Entwicklung brauchen Kinder Spiel- und  Erlebnisräume, die es ihnen ermöglichen, vielfältige Entdeckungen zu machen. So können die wichtigen Strukturbildenden Vernetzungen im Gehirn angeregt werden. Spielräume sind immer auch Sozialisationsräume. Mehr und mehr wird der Alltag vieler Kinder von den neuen digitalen Medien bestimmt. Sie sind Bestandteil der kindlichen Lebenswelt. Manche Forscher sprechen bereits von einer Mediensozialisation. Es wird darauf ankommen, den Werkzeugcharakter dieser Medien zu erkennen und ihren Einsatz für Bildungszwecke zu reflektieren.  

Begegnungsmöglichkeiten eröffnen
Im künstlerischen Gestaltungsprozess können Menschen ihre Erfahrungshintergründe zur Darstellung bringen. Musik, Tanz, Theater, das Malen und Gestalten bieten Begegnungsmöglichkeiten, die das soziale Miteinander stärken. Im künstlerischen Tun erleben Kinder ihre innere Gestimmtheit und geben ihr eine Gestalt. Dafür benötigen sie  Raum und Zeit. So kann Kunst nicht nur einen Beitrag zur Eigeninitiative, Kreativität und das Erleben von Selbstwirksamkeit leisten, sie kann gleichzeitig den Gemeinschaftssinn in einer Gruppe und in der Gesellschaft fördern.

Den Gefühlen eine Gestalt geben
Lieder und Geschichten geben Kindern die Möglichkeit, Angst, Ärger, Wut, Trauer und Freude zu erleben. Im Miteinander bilden Kinder bei aller Unterschiedlichkeit ihre Sprache aus. Dieser Prozess kann gut gelingen, wenn die Einheit von Musik, Bewegung und Sprache gerade in der frühen Entwicklungsphase bewahrt bleibt. Hören, Horchen und Lauschen stellen das Fundament des Sprechens dar.

Vielfalt gemeinsam erleben
In der rhythmisch-musikalischen Erziehung geht es um die analoge Umsetzung von Musik und Sprache in Bewegung. Über Bewegung können Beziehung aufgebaut und die Befindlichkeiten aufeinander abgestimmt werden. Vielfalt, Unterschiedlichkeit und das Zusammenspiel können elementar erfahren werden. Es geht um das Erleben von Gemeinschaft, um  Anerkennung, Teilhabe, Freiheit, Mitgefühl, Gleichberechtigung und Erfolg. Der Andere kann als Du erlebt werden.

Handlungspotenziale entwickeln
Für die komplexen Probleme, die in der Gegenwart zu lösen sind, stellen Bildungspläne gut gemeinte Landkarten dar. Sie können die Unwegsamkeit des Geländes aber nicht hinreichend beschreiben. Pädagog*innen benötigen Kompetenzen, die ihnen helfen, die komplexen Alltagsprobleme zu bewältigen. Es kommt auf Handlungspotenziale an, die sie sich in „Spielräumen des pädagogischen Diskurses“ erarbeiten müssen. Spielräume sind Bedingungen für  Handlungsmöglichkeiten einer humanen Bildungspraxis. Sie kann sich dann gut entfalten, wenn in den Kitas und Schulen Werkstätten und Materialien zur Verfügung stehen. Dazu zählen nun auch neue Medien wie Tabletts.

Energie aus Beziehungen schöpfen
Eine Pädagogik, die sich der Gegenwart verpflichtet sieht, wird ihre Kraft, ihren Mut und ihre Perspektiven aus gelingenden zwischenmenschlichen Beziehungen schöpfen. So ist das Ermöglichen von künstlerischen Aktivitäten besonders für das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Herkünften hilfreich. Die Zunahme von Armut und Flucht verweist auf die Notwendigkeit einer Erweiterung inklusiver Prozesse. Immer mehr Kinder leben in Armut. Viele haben Krieg erlebt, sind mit ihren Eltern oder alleine geflohen. Oft sind sie traumatisiert.

Raum für interdisziplinäre Dialoge schaffen  
Wenn Erzieherinnen und Schulpädagog*innen in der gegenwärtigen Situation ihren Kindern und Schülern echte Teilhabe ermöglichen wollen, brauchen sie Zeit und Raum als Grundlage für ihre Reflexionen. Denn eine lebensnahe Bildungspraxis kann sich dann besonders gut entfalten, wenn nicht nur die Visionen, sondern auch die Problem der täglichen Arbeit kommuniziert werden können. Die einzelne Person ist mit den vielfältigen Aufgaben überfordert. Es braucht daher Kommunikationsräume und Zeiten für interdisziplinäre Diskurse. Dazu will der Kongress Anregungen geben.