„Sie sind offen gegenüber Vielfalt“

Prof. Dr. Timm Albers

Prof. Dr. Timm Albers

Petra Schraml im Gespräch mit Prof. Dr. Timm Albers.

Die UN-Behindertenrechtskonvention verankert Inklusion als Leitorientierung im Bildungssystem. Für Kindertageseinrichtungen bedeutet dies, dass sie für alle Kinder offen stehen und Bildungsangebote schaffen, die von einer Vielfalt an Bedürfnissen und Fähigkeiten ausgehen. Künftig soll auch jedes Kind mit Behinderung jede Kita besuchen können. Diese Aufgabe stellt hohe Anforderungen an die Professionalität der in diesem Bereich tätigen Fachkräfte.

Petra Schraml: Auf welchem Weg sind die Kindertagesstätten?

Prof. Dr. Timm Albers: Grundsätzlich kann man den meisten Kitas bereits attestieren, dass sie sich auf den Weg zur Inklusion gemacht haben. Anders als viele Schulen sind Kitas offener gegenüber Vielfalt, bei Schulen steht häufig der Selektionsgedanke im Vordergrund.

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Inklusive Bildung beugt Ausgrenzung vor

Ute Erdsiek-Rave

© Erdsiek-Rave

Farid Gardizi im Gespräch mit Ute Erdsiek-Rave

Farid Gardizi: Frau Erdsiek-Rave, warum tun wir uns so schwer mit dem gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung?

Ute Erdsiek-Rave: Unser bisheriges System hat Vorurteile und Berührungsängste befördert. Manche Eltern haben Angst, dass ihr behindertes Kind in einer Regelschule nicht angemessen gefördert wird. Eltern von nicht-behinderten Kindern hingegen fürchten, dass das Leistungsniveau sinkt. Lehrer wiederum fragen sich, wie sie die hohen pädagogischen Anforderungen in einer Klasse bewältigen sollen. Wir müssen diese Sorgen ernst nehmen. Dennoch dürfen wir inklusive Bildung nicht in Frage stellen. Ich vertraue darauf, dass Erfahrung Akzeptanz schafft.

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Wir teilen Bedürfnis nach Normalität und Besonderheit

Prof. Dr. Ulrike Graf

Prof. Dr. Graf

Dr. Karsten Herrmann: Sie sagen, dass Behinderung erst im Blick der anderen entsteht. Was meinen Sie damit?

Dr. Ulrike Graf: Zunächst ist dies die Erfahrungsdefinition eines Mädchens. Fanny, leicht kognitiv und geringfügig körperlich beeinträchtigt, wurde vom Leiter ihrer Einrichtung danach gefragt, wo für sie die Behinderung läge, antwortet: „Im Blick der anderen.“ Ich ergänze: Kompetenz auch.

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„Inklusion sollte eine Haltung und kein Programm sein!“

Keller

Prof. Dr. Keller

Dr. Karsten Herrmann im Gespräch mit Prof. Dr. Heidi Keller

Dr. Karsten Herrmann: Bei der Inklusion geht es im Kern ja auch darum, Vielfalt anzuerkennen und als Chance und Ressource zu nutzen. Was ist dafür nötig?

Prof. Dr. Heidi Keller: Dazu ist ein radikales Umdenken nötig. Bisher können wir diese Absicht zwar in vielen Formulierungen finden, in Orientierungsplänen, in Kitakonzepten, in politischen Statements usw., aber es wird völlig verkannt, was das tatsächlich bedeutet. Dieses Umdenken impliziert in erster Linie, die eigene Sicht der Welt zu relativieren und zu akzeptieren, dass es immer mehrere Sichtweisen auf Sachverhalte gibt, die nicht mit besser oder schlechter zu bewerten sind, sondern gleichwertig nebeneinander stehen. Und dann besteht die größte Herausforderung darin, dies auch im eigenen Verhalten zu verankern und im Alltag zu leben. Leider sehe ich zur Zeit noch nicht, dass gelebte Vielfalt wirklich zugelassen wird. Das setzt nämlich voraus, dass die Fokussierung auf das Individuum und den Selbstbezug, den wir für psychisch gesund halten, ersetzt wird durch eine Sichtweise, die immer auch die anderen berücksichtigt. Das bedeutet auch, dass ein Wir – Gefühl entsteht, das auf Heterogenität basiert.

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Das Thema Inklusion bietet die Chance, ganz neue Erfahrungen zu machen.

Kokemoor

Kokemoor

Dr. Karl Gebauer im Gespräch mir Klaus Kokemoor.

Dr. Karl Gebauer: Herr Kokemoor, in der Skizze zu ihrem Kongressbeitrag schreiben Sie: Das Thema Inklusion bietet die Chance, ganz neue Erfahrungen zu machen.“ Woraus bestehen diese neuen Erfahrungen und wer könnte sie machen?

Klaus Kokemoor: Eine neue Erfahrung ist beispielsweise der Perspektivwechsel. Jede und Jeder hat die Möglichkeit, unsere Welt auch immer wieder aus der Perspektive des Anderen, des Gegenübers zu betrachten. Der Andere ist hier austauschbar. Es kann ein Kind, ein Mensch mit einer Behinderung, ein Mensch aus einer anderen Kultur, ein Politiker oder die Kollegin sein. Die Perspektive eines anderen Menschen einzunehmen, ist eine neue Erfahrung und zieht in der Regel die eigene Veränderung nach sich.

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Keine Bildung ohne Beziehung?

Prof. Dr. Kuhl / Prof. Dr. Solzbacher

Prof. Dr. Kuhl / Prof. Dr. Solzbacher

Dr. Karsten Herrmann im Gespräche mit Prof. Dr. Claudia Solzbacher und Prof. Dr. Julius Kuhl aus der nifbe-Forschungsstelle Begabungsförderung

Herrmann: Keine Bildung ohne Beziehung – könnte man ihre interdisziplinären Forschungsergebnisse auf diese kurze Formel runterbrechen?

Kuhl: Das ist ein wenig plakativ ausgedrückt, aber es berührt schon den Kern: Wenn wir mit Bildung vor allem auch die Persönlichkeitsentwicklung meinen, dann hebt diese Formel richtigerweise die enorme Bedeutung der Beziehungsqualität zwischen Pädagogen und den Kindern hervor.

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Die Bedeutung einer professionellen Haltung bei der Umsetzung der Inklusion

Prof. Dr. Solzbacher

Prof. Dr. Solzbacher

Dr. Karsten Hermann in Gespräch mit Prof. Dr. Claudia Solzbacher.

Dr. Karsten Hermann: Ist die vielbeschworene Haltung bei der Umsetzung der Inklusion eine ganz zentrale Ressource?

Prof. Dr. Claudia Solzbacher: Zweifellos ist eine persönliche und professionelle Haltung  eine unverzichtbare Ressource im Inklusionsprozess und beeinflusst in erheblicher Weise das Lernen des Kindes als Individuum oder in der Gruppe. Klar ist aber auch, dass man Haltung nicht über Glaubensätze oder Apelle verändern kann. Und gerade beim Thema Inklusion geraten  Fach- und Lehrkräfte im alltäglichen Handeln nicht selten in Dilemmata, wenn sie den  vielfach widersprüchlichen  bildungspolitischen und gesetzlich verankerten Inhalten und ihrem eigenen pädagogischen Anspruch gerecht werden wollen (z.B. das Dilemma Fördern versus Auslesen, Individualisieren oder Standardisieren etc.). Diese Dilemmata müssen die PädagogInnen im Alltag austarieren und integrieren. Hier heißt die Herausforderung eine „stabile“ Haltung zu behalten bzw. erst einmal zu entwickeln! In unserem neuen Buch haben wir uns daher auch gefragt: Welche Fähigkeiten oder Kompetenzen müssten PädagogInnen haben, um z.B. im Feld der Inklusion professionell und authentisch, selbstbewusst und aktiv handeln zu können (mal abgesehen von den Rahmenbedingungen, die es von anderer Seite zu schaffen gilt)?

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