Sonja Alberti

Sonja AlbertiKOMPETENZEN IM TEAM ERKENNEN

Die Kompetenzen in pädagogischen Teams erweitern und verändern sich in den letzten Jahren ungemein. Frühpädagogische Studiengänge werden mittlerweile an fast allen Standorten von Hochschulen angeboten und das Weiterbildungsangebot ist enorm gewachsen. Durch diese Veränderungen ergibt sich auch eine neue Struktur in den pädagogischen Teams. Es geht heute für Leitungskräfte auch darum, allen Mitarbeiter/innen Wertschätzung und Anerkennung entgegenzubringen und sich nicht ausschließlich auf Abschlüsse oder Titel zu verlassen.

Mit jedem einzelnen Teammitglied auf die Suche nach den individuellen Stärken und Kompetenzen zu gehen ist eine anspruchsvolle Aufgabe.

Weiterhin ist eine positive Kommunikationskultur notwendig um alle Teammitglieder zu erreichen und niemanden durch eine Qualifizierungswelle „abzuhängen“. Kooperation und Kommunikation tragen entscheidend dazu bei ein multiprofessionelles Team erfolgreich wirken zu lassen.

In diesem Forum soll es darum gehen den Blick auf die Notwendigkeiten in multiprofessionellen Teams zu legen und Handlungsoptionen zu entwickeln. Jede einzelne Mitarbeiterin bringt ihre Stärken und Kompetenzen in die Arbeit mit ein – wie können wir diese besser erkennen und mobilisieren um daraus mehr für die pädagogische Arbeit nutzen zu können?

Sonja Alberti, Diplom Sozialpädagogin, Jahrgang 1969 Nach dem Studium der Sozialpädagogik in Koblenz seit 1991 im Bereich von Kindertageseinrichtungen beschäftigt als Leitung, Fachberatung, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Koblenz, Fortbildnerin und Hochschuldozentin im frühpädagogischen Bereich. Schwerpunkt-Themen sind Inklusion, Kinder bis drei Jahre und deren Bedürfnisse, Team-Prozesse begleiten, Konzeptionsentwicklung und Qualitätsmanagement in Tageseinrichtungen für Kinder.

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Prof. Dr. Sabine Andresen

 Prof. Dr. Sabine AndresenKINDHEIT HEUTE – HERAUSFORDERUNGEN DES AUFWACHSENS

Die World Vision Kinderstudien haben eine Grundphilosophie: Kindern soll in Deutschland eine Stimme gegeben werden. In enger Anlehnung an die Kindheitsforschung werden Kinder als Experten ihrer Lebenswelt, ihrer Gefühle, Meinungen und Erfahrungen betrachtet. Kinder machen sich ein Bild von der Gesellschaft, in der sie leben. In der dritten World Vision Kinderstudie, die am 14. November 2013 in Berlin veröffentlicht wird, sind 2600 Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren, Kinder aus allen Schichten der Bevölkerung, aus allen Regionen Deutschlands, Jungen und Mädchen, Kinder mit und ohne Migrationshintergrund befragt worden. Neben der repräsentativen Erhebung mit einem Fragebogen, der mehr als 60 Fragen zu Familie, Schule, Freizeit, Freunden, Politik, Gefühlen und Sorgen umfasst, werden auch 12 Kinder ausführlich portraitiert. So können unterschiedliche Lebenswelten von Kindern in Deutschland beschrieben werden. Die Befunde zeigen etwas über den Zeitmangel, den manche Kinder haben, über den Alltag von Kindern in der Ganztagsschule oder über den kindlichen Alltag, wenn er durch Armut mit geprägt ist.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Ergebnisse der neuen World Vision Kinderstudie 2013. 6–11 jährige Kinder geben Auskunft über ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen von Familie, Schule, Freizeit, Freunde. Vorgestellt werden Befunde zu Wohlbefinden und Gerechtigkeit.

Theoretischer Ausgangspunkt des Vortrags ist das Wohlbefinden von Kindern und die in der internationalen Forschung verwendeten Konzepte. Damit verbunden sind zudem gerechtigkeitstheoretische Annahmen.

Sabine Andresen, Prof. Dr., Professorin für Familienforschung und Sozialpädagogik, IDeA, Goethe-Universität Frankfurt. Zusammen mit Klaus Hurrelmann wissenschaftliche Leiterin der World Vision Kinderstudie. 2010–2012: Mitglied der Sachverständigenkommission der Bundesregierung für den 14. Kinder- und Jugendbericht. Seit 2011 Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes und wissenschaftliche Leiterin des Forschungsprojektes „Prekäre Kindheit – Wie Kinder Armut erfahren“ (DFG). Forschungsprojekte zu Kindern und Familien in Armut, Übergänge von der Kita in die Grundschule, sexuelle Gewalt und internationale Forschung zu Wohlbefinden von Kindern.

Dr. Udo Baer

 Dr. Udo BaerDAS DRAMA DER LEERE – WENN BINDUNG NICHT GELINGT

Das Gefühl der Leere, mit dem Menschen nach traumatischen Erlebnissen oder schweren Verlusten oft alleine gelassen werden, hat meist gravierende Folgen für die Bindungsfähigkeit von Kindern und Erwachsenen. Deren Störungen sind der Hintergrund für viele Probleme von Kindern und Jugendlichen in Familie und Schule.

Um die Ausmaße zu verdeutlichen, die eine solche Leere-Erfahrung hinterlassen kann, stellt Dr. Udo Baer sein Konzept der „Primären Leibbewegungen“ vor. Es behandelt die fünf grundlegenden Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen, die für das spätere Bindungsverhalten maßgeblich sind (Schauen, Tönen, Greifen, Drücken und Anlehnen). Kinder, die diese Erfahrungen nicht ausreichend machen konnten, können solche Interaktionen sozusagen nachträglich lernen, um Folgen von Bindungsstörungen zu überwinden. So kann dem Gefühl der Leere ein heilsames Gefühl der (Beziehungs-) Wirksamkeit entgegengesetzt werden.

Dr. Udo Baer, Dr. phil., Dipl. Pädagoge, Autor, Kreativer Leibtherapeut (HPG), ist Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Zukunftswerkstatt therapie kreativ in Neukirchen-Vluyn (NRW). Das von ihm gegründete Ausbildungsinstitut für Kreative Leibtherapie veranstaltet seit 1987 bundesweit Seminare für Tanz-, Musik- und KunsttherapeutInnen und bietet Fachfortbildungen zu verschiedenen sozialen Themenbereichen an.

Prof. Dr. Heinz Bude

Prof. Dr. Heinz BudeWIE KANN MAN SOLIDARISCH FÜR SICH SELBST SORGEN?

Heinz Bude spricht über die hohen Voraussetzungen für Inklusion, die eine Gesellschaft mit sich bringt, die nicht mehr vom Wohlfahrtsstaat der Nachkriegszeit organisiert und eingerichtet, sondern Tag für Tag von kompetenten Individuen gemacht wird. Angesichts der Zumutungen, die vor diesem Hintergrund der Exklusionsbegriff für die bundesrepublikanische Sozialpolitik bereithält, stellt sich die zwingende Frage: Wie lässt sich noch die Vorstellung eines gesellschaftlichen Ganzen entwickeln, wenn sich Brennpunkte der Exklusion nicht nur in einem proletarisierten Dienstleistungssektor und in prekären Arbeitsverhältnissen, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft ausmachen lassen?

Eine mögliche Antwort auf diese Frage könnte eine Rückbesinnung auf den alten Begriff der Solidarität liefern, wenn die Bürgerinnen und Bürger einer alternden Gesellschaft nach und nach feststellen, dass sie sich im Hinblick auf ihre Zukunft weder ausschließlich auf den Staat noch auf sich selbst verlassen können.

Prof. Dr. Heinz Bude, geb. 1954, Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie an der Universität Tübingen und der FU Berlin, wo er sein Diplom in Soziologie ablegte. Er promovierte an der FU Berlin mit einer Arbeit zur Wirkungsgeschichte der Flakhelfer-Generation und habilitierte sich mit einer soziologischen Studie zur Herkunftsgeschichte der 68er-Generation. Seit 1992 ist er Wissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung. 2000 wurde er Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel. Bude beschäftigt sich in seinen Forschungen damit, was die soziale Ungleichheit mit den Menschen macht und wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt.

Prof. Dr. Bernd Fittkau / Dr. Ellis Huber / Dorothee Remmler-Bellen

Fittkau / Huber / Remmler-Bellen

Fittkau / Huber / Remmler-Bellen

GESUNDHEITSFÖRDERUNG (TEIL 1): WELCHE SOZIALEN BEDINGUNGEN SIND FÖRDERLICH?

Wir wollen in diesem 2-teiligen Diskussionsforum Theorie und Praxis der Gesundheitsförderung verbinden. Dazu werden wir die konzeptionellen Ausführungen regelmäßig durch kleine praktische gesundheitsförderliche Selbsterfahrungsübungen auflockern und veranschaulichen. Im 1. Teil liegt der Schwerpunkt auf zwei konzeptionellen Perspektiven:

Teil 1.1: Ganzheitliche Gesundheits-Kompetenzen entwickeln

„Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen. Füreinander Sorge zu tragen, Ganzheitlichkeit und ökologisches Denken sind Kernelemente bei der Entwicklung von Strategien zur Gesundheitsförderung“. Diese Kernaussage der Weltgesundheitsorganisation in der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung dokumentiert einen gesundheitspolitischen Paradigma-Wechsel: Gesundheit braucht Bildung, individuelle Gesundheitskompetenz und solidarisches Miteinander. Gesundheitskompetenz muss in den Kindergärten und Schulen wachsen und gedeihen. Wie können wir die Gesundheitspotentiale des einzelnen Menschen und der gesamten Bevölkerung entwickeln und die Gesundheit der Menschen stärken? Welche Bildungskonzepte und Einrichtungen sind dafür nötig und wie können wir ErzieherInnen und LehrerInnen unterstützen, damit sie selbst gesünder handeln und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen fördern können?

Teil 1.2: ErzieherInnen, LehrerInnen (und Eltern) als „Führungskräfte für Gesundheitsförderung“

ErzieherInnen und LehrerInnen (und natürlich die Eltern) sind wichtige „Führungskräfte“ in den wesentlichen frühen Entwicklungsphasen des Menschen: Hier gilt es bei den Kindern und Jugendlichen der „Selbstfürsorge und Gesundheitsprävention“ einen bleibenden Seelenplatz zu reservieren. Damit die ErzieherInnen und LehrerInnen – beides stark krankheitsbelastete Berufsgruppen – diese Führungsfunktion erfüllen zu können, sollten sie selbst hier möglichst glaubwürdig Vorbildfunktionen erfüllen. „Walk the Talk“ heißt dieser gleichermaßen plausible wie anspruchsvolle Führungsgrundsatz. Wie können ErzieherInnen und LehrerInnen so für sich selbst sorgen und (Übungs-)Routinen entwickeln, dass sie den steigenden Belastungen und Herausforderungen aus ihrem Berufsfeld besser, d.h. gesünder für sich und das Umfeld begegnen können? Wie können sie noch achtsamer und sensibler für Überlastungssignale aus ihrem Organismus werden? Mit welchen KollegInnen können sie kollegiale Gesundheitszirkel bilden, um Abhilfe für krankmachende Problemsituationen zu entwickeln oder um heilsame Erfahrungen auszutauschen? Wie können sie gemeinsam mit ihren Kindern und Jugendlichen gesundheitsförderliche (Achtsamkeits-) Übungen in Ihre beruflichen Aktivitäten einbauen?

Dazu möchten wir drei praktisch bewährte Orientierungs-, Analyseund Veränderungsinstrumente vorstellen:

  • Ein „Resilienzfaktoren“-Modell (für die Selbst-führung als ErzieherIn oder LehrerIn),
  • ein gesundheitsförderliches Führungsstil-Modell (für die Führung der Kinder und SchülerInnen),
  • das „Salutogenese“-Modell (für die Gesundheitsorientierung der Führungskulturen im Bereich KiTa und Schule).

Prof. Dr. Bernd Fittkau

  • Studium der Mathematik und Psychologie an der Universität Hamburg (Abschluss: Dipl. Psych. und Promotion, 1961-68)
  • AssistentundDozentfürKlinischeundPädagogischePsychologieund forschungs-methodischer Berater, Universität Hamburg, 1968-73 (Prof. Dr. Reinhard Tausch),
  • PionierdesKommunikationstrainingsfürFührungskräfte(gemeinsammitProf. Dr. Friedemann Schulz von Thun; Buchveröffentlichungen)
  • Univ.-ProfessorfürPädagogischePsychologieundBeratunganderUniversität Göttingen (1973-2006), Entwicklung und Durchführung eines Curriculums für Pädagogische Beratung (Buchveröffentlichung)
  • ZusatzausbildungeninverschiedenenberatungsrelevantenVerfahrenderHumanistischenPsychologie (Klientenzentrierter Gesprächstherapie, Gestalttherapie und Hypnotherapie)
  • Parallel zur Hochschullehrer-Tätigkeit seit 1970 Praxistätigkeit als Führungskräfte-Trainer, -Coach, Teamentwickler, Organisationsberater, Trainerausbilder; Mitarbeit in verschiedenen Berater-Netzwerken (Buchveröffentlichungen)
  • Nach BeendigungderHochschullehrer-Laufbahn:PartnerinBerater-Netzwerken;Wissenschaftlicher Beirat der Göttinger Kongresse für Erziehung und Bildung, der Gemeinwohl-Ökonomie, des Verbandes Deutscher Präventologen; Coaching zur Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung in eigener Praxis in Hamburg

Ellis Huber ist Arzt und Gesundheitspolitiker. Er hat die Entwicklung einer Politik der Gesundheitsförderung in Deutschland unterstützt und als Initiator der Gesundheitstage 1980 in Berlin und 1981 in Hamburg, Gesundheitsdezernent der GRÜNEN in Berlin Wilmersdorf und Kreuzberg (1981- 86), Ärztekammerpräsident in Berlin (1987-1999), Vorstand der SECURVITA BKK Hamburg, einer innovativen gesetzlichen Krankenkasse (2001-2005 und 2010-2013), Vorstandsmitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (1996-heute) und Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Präventologen (2006- heute) für innovative und patientenorientierte Projekte gesorgt. Er setzt sich für ein soziales Gesundheitssystem ein, das die Gesundheit des einzelnen Bürgers und der gesamten Gesellschaft wirksam und preiswert fördert. Die Titel seiner Bücher kennzeichnen seine programmatische Haltung: „Handeln statt Schlucken“, „Liebe statt Valium“ oder „Die Gesundheitsrevolution“. Sein Vortrag auf der Bundesgrundschulkonferenz 1995 zur „Zukunft für Kinder – Grundschule 2000“ stellte schon früh Gesundheitsförderung als Zukunftsaufgabe für die bundesdeutschen Bildungseinrichtungen vor. Eine aktuelle Veröffentlichung trägt den Titel „Gesundheit und soziale Entwicklung – zur Perspektive eines singenden Gesundheitssystems“

Dorothee Remmler-Bellen war nach dem Studium der Mathematik, Betriebswirtschaftslehre und Informatik als Lehrerin und Schulleiterin an verschiedenen Privatschulen tätig. Nach der Zusatzqualifikation zur Präventologin folgte zunächst die Eröffnung einer eigenen Stress-Praxis. Dort arbeitet sie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an der Reduzierung von Stress, der Stärkung der individuellen Ressourcen und der Entwicklung von Potenzialen. Seit 2010 bietet sie mit ihrem Zentrum für Prävention und psychosoziale Weiterbildung (www.zppw.de) eine Plattform für Weiterbildungen und Dienstleistungen im psychosozialen Präventionsbereich an. Schwerpunkte sind Fortbildungen für ErzieherInnen, Lehrkräfte, PädagogInnen und SozialpädagogInnen zur Entwicklung und Stärkung von Gesundheits- und Lebenskompetenzen auf Basis der Salutogenese.

Gemeinsam mit Dr. Ellis Huber hat sie die berufsbegleitende Ausbildung zum Fachpräventologen für KiTa und Schule konzipiert, mit dem Ziel Gesundheitsförderung und Prävention nachhaltig an KiTas und Schulen zu verankern. Sie hat das Konzept Schule ohne Stress entwickelt, welches auch in Buchform vorliegt, und Teil der Ausbildung zum Schulpräventologen ist.

Das Trainingskonzept: Gesundheit und Lebenskompetenz hat sie für den Berufsverband Deutscher Präventologen e.V. unter der Mitarbeit von Dr. Ellis Huber und Jan Lehmann entwickelt und bildet hierzu Trainer aus.

Seit 2011 ist sie beim Berufsverband Deutscher Präventologen e.V. Studienleiterin für die Zusatzqualifikation Fachpräventologe in KiTa und Schule und seit 2012 Vorstandsmitglied des Verbandes.

Prof. Dr. Bernd Fittkau / Dr. Ellis Huber / Dorothee Remmler-Bellen

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Fittkau / Huber / Remmler-Bellen

GESUNDHEITSFÖRDERUNG (TEIL 2): PRAKTISCHES TRAINING ZUR GESUNDHEITS- UND LEBENSKOMPETENZ 

Im ersten Teil des Diskussionsforums Gesundheitsförderung wurde deutlich, dass wir eine wirksame Präventions- und Empowermentversorgung, individuelle wie soziale Resilienz- und Gesundheitsförderung und salutogene Achtsamkeit und Sensibilität brauchen, in unserer Gesellschaft, und in besonderem Maße in KiTa und Schule. Damit die ErzieherInnen und LehrerInnen als Führungskräfte in der Lage sind ihre Vorbildfunktion zu erfüllen und gleichzeitig bei ihren Kindern und SchülerInnen für ein gesundes Lebens- und Lern-Klima sorgen können. Damit ErzieherInnen und Lehrkräfte selbst gesund bleiben und Erziehung, Bildung und Persönlichkeitsentwicklung gelingen können!

Aus diesem Grund hat der Berufsverband Deutscher Präventologen e.V. ein salutogen basiertes Trainingskonzept entwickelt, das die Förderung und Stärkung der Gesundheits- und Lebenskompetenzen als zentrale Ziele hat. Und mit dessen Hilfe es gelingt, Ressoucen und Potenziale selbst zu entfalten und dauerhaft zu stärken. Ein Konzept, das ErzieherInnen und LehrerInnen darin unterstützt, selber gesünder zu handeln und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Denn mit Hilfe bestimmter Lebenskompetenzen gelingt gesundheitsförderliches Verhalten leichter. Dann kann sich Gesundheit entwickeln, Lebensfreude gedeihen und Beziehungen können gelingen, in KiTa und Schule, individuell wie auch gesellschaftlich.

Was verstehen wir unter „Gesundheits- und Lebenskompetenzen“? Was sind die Inhalte und Ziele des Trainings? Wie ist es methodisch und didaktisch aufgebaut, welche Struktur hat es und wie lässt es sich einsetzen? Und vor allem, wie wirkt es?

Diese und weitere Fragen werden wir im zweiten Teil des Diskussionsforums aufgreifen und gemeinsam mit den TeilnehmerInnen beantworten. Darüber hinaus wollen wir zum Mitmachen bei weiteren kleinen praktischen Einheiten und Übungen einladen. Wir möchten, dass Sie spüren, wie das Konzept wirkt, wie es gelingen kann die Lebensfreude und Begeisterung trotz hoher Arbeitsbelastung bei sich selbst und bei den Kindern und Jugendlichen wieder zu wecken und zu erhalten.

Ernst Fritz-Schubert

Dr. Fritz SchubertLEBENSKOMPETENZ UND LEBENSFREUDE – KANN MAN DEM GLÜCK IN DER SCHULE AUF DIE SPRÜNGE HELFEN?

Ernst Fritz-Schubert erläutert, wie man dem Glück auch auf die Sprünge helfen kann, indem man Ängste und Hindernisse überwindet, eigene Stärken entdeckt, sich auf die Sinnsuche begibt und dabei Lebensfreude entwickelt. Durch die im Schulfach Glück selbst erlebten positiven Wechselwirkungen zwischen Kognition, Emotion und dem physiologischem Bereich können Schüler/innen erkennen, dass Glück wählbar und erlernbar ist und sich im glücklichen und erfolgreichen Tun widerspiegelt.

Das nach ihm benannte Fritz-Schubert-institut für Persönlichkeitsentwicklung entwickelt und vermittelt Techniken zur Stärkung der Persönlichkeit und des ganzheitlichen Wohlbefindens. Die neuesten Erkenntnisse der Lernforschung werden dabei mit bewährter pädagogischer Erfahrung verknüpft. In Zusammenarbeit mit Universitäten wird die Wirkung der eingesetzten Techniken erforscht.

Alle Maßnahmen beziehen sich auf die Generalversammlung der Vereinten Nationen, die 1959 die „Erklärung der Rechte des Kindes“ verabschiedete, nach der die Menschheit dem Kinde ihr Bestes schuldet, damit es eine glückliche Kindheit hat. In der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 heißt es, dass „das Kind zur vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit … umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen soll“. Alle Methoden, die im „Schulfach Glück“ Verwendung finden, stellen eine Sammlung überprüfter Verfahren dar. Ihre Grundlagen finden sich in der Salutogenese (Antonovsky), dem logotherapeutischen Ansatz Viktor E. Frankls, der systemisch-konstruktivistischen Pädagogik, der positiven Psychologie, der Konsistenz-Theorie (Klaus Grawe), der Motivationspsychologie, der PSI-Theorie nach Prof. Julius Kuhl und in den Ergebnissen der Resilienzforschung.

In seinem Vortrag wird der Pädagoge, Therapeut und Buchautor Ernst Fritz-Schubert von seinen Erfahrungen berichten und an praktischen Beispielen zeigen, wie Glück vor allem durch sinnvolles Leben und Erleben begünstigt wird.

Ernst Fritz-Schubert wurde 1948 in Fulda geboren und studierte in Heidelberg Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Nach Beendigung des Studiums trat er 1976 in den Schuldienst des Landes Baden-Württemberg ein. Er unterrichtete die Fächer Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowie Ethik und das von ihm entwickelte Schulfach Glück. Die Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg leitete er von 2000 bis 2011 als Oberstudiendirektor. Nach ihm wurde 2009 das Fritz-Schubert-Institut benannt, das Techniken zur Stärkung der Persönlichkeit erforscht und vermittelt. Als sportpsychologischer Berater und systemischer Therapeut arbeitet er in verschiedenen Institutionen des Sport-, Bildungs- und Gesundheitsbereiches.

Dipl. Psych. Korinna Fritzemeyer

Fritzemeyer„ERSTE SCHRITTE“ – EIN INTEGRATIONSPROJEKT FÜR KLEINKINDER MIT MIGRATIONSHINTERGRUND 

Sprachkompetenzen sind ein wichtiger Zugang zu einer fremden Kultur. Jedoch sollte sich die Diskussion über Integration und Förderungsprogramme nicht ausschließlich auf erfolgreichen Spracherwerb konzentrieren.

Ergebnisse der Frankfurter Präventionsstudie legen nahe, dass die Gründe für fehlende oder mangelhafte Integration von Kindern über den Sprachfaktor hinausgehen und u.a. mit einer Störung der „natürlichen“ Bindung zwischen Mutter und Kind während des Migrationsprozesses und der Phase der frühen Mutterschaft in Verbindung stehen können. Sowohl der Prozess einer Migration als auch das Eintreten in die Mutterschaft sind belastende und vulnerable Phasen. Wenn Erfahrungen während dieser vulnerablen Phase von Enttäuschungen und Frustration geprägt sind, kann dies bewirken, dass sich Mütter sozial zurückziehen und ein Gefühl des Versagens entsteht; ein Gefühl, das zu der Trias von Migration, Isolation und Depression beitragen kann, wie es oft beobachtet wird. Diese Befunde und Überlegungen haben zur Entwicklung des Modellprojekts ERSTE SCHRITTE geführt, das derzeit in Frankfurt und Berlin-Neukölln umgesetzt und wissenschaftlich evaluiert wird. Es baut auf Erfahrungen psychoanalytisch orientierter (aufsuchender) Gruppenarbeit mit sozial benachteiligten Frauen mit Migrationshintergrund in Belgien und Philadelphia auf und zielt auf die Verbesserung früher Entwicklungsumwelten von Kindern, die aufgrund der akuten Migrationserfahrung ihrer Eltern mit dem Risiko einer Benachteiligung aufwachsen.

Der Vortrag richtet den Fokus auf Erfahrungen aus der Praxis. Einerseits sollen beispielhaft Reflektionsprozesse der Projektmitarbeiterinnen im Umgang mit dem Fremden und das Verstehen des Verhaltens der Mütter im Kontext kultureller Unterschiede betrachtet werden. Andererseits sollen Überlegungen zu Migration dargestellt werden, die dazu beitragen, dass diese schwer zu erreichende Zielgruppe adäquat angesprochen, gehalten und unterstützt werden kann.

Korinna Fritzemeyer, Dipl.-Psych., Jg. 1984, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Kassel und wissenschaftliche Projektkoordinatorin für ERSTE SCHRITTE in Berlin, in Ausbildung zur psychoanalytischen Erwachsenen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Seit 2003 engagiert in verschiedenen nationalen und internationalen gemeinnützigen Organisationen darunter für Casa Guatemala (Waisenhaus in Guatemala), Wildfang e.V (gestaltet Ferien- und Freizeitangebote für Pflege- und Adoptivkinder) und Behandlungszentren für Folteropfer (Berlin und Kurdistan-Irak). Schwerpunktmäßige Arbeit mit und für den Schutz von Kindern und Jugendlichen mit Migrations- und/oder Gewalterfahrungen u.a. im Bereich der Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit. Während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Kurdistan-Irak konnte sie erste Eindrücke zu den Folgen der langjährigen Verfolgung der Kurden auf die heranwachsende zweite Generation im Nordirak untersuchen. In verschiedensten Kontexten gibt sie Seminare zu intergenerationeller Weitergabe von Traumatisierungen und ihrer Prävention, Kinderschutz und Folgen von Kindesmissbrauch sowie Verhaltensauffälligkeiten im Kontext von Bindungsstörungen und frühkindlichen Traumatisierungen. Ziel ist dabei stets, das individuelle Verstehen und empathische Beantworten von auf den ersten Blick unverständlichen Verhaltensweisen anzuregen und Spielräume des Ausdrückens und Übersetzens zu finden.

Dr. Karl Gebauer & Team der KITA Pfalz-Grona-Breite, Göttingen

Dr. Karl Gebauer und Team der KiTa Pfalz Grona BreiteWORTWECHSEL – MIT KINDERN VIELE FACETTEN VON SPRACHE ERLEBEN

Kinder lernen das Sprechen in sozialen Interaktionen und nicht in Trainingssituationen. Intensivkurse des Sprechens finden in den unterschiedlichsten Situationen des Alltags statt: beim Wickeln, Anziehen, Essen, Vorlesen, Singen, Spielen und Erzählen. Diese klassischen Formen einer alltagsintegrierten Sprachförderung gehören heute zum Repertoire in der Elementarerziehung. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass beim „Handlungsbegleitenden“ Sprechen mehr Informationen gespeichert werden als in neutralen Sprachkontexten. Die verbalen Interaktionen zwischen Erzieherin und Kind werden als die entscheidenden Faktoren für einen gelingenden Entwicklungs- und Bildungsverlauf angesehen. Allerdings „kommen neuere und explizit dialogische Ansätze, in denen das Kind als Akteur im Zentrum steht […] noch selten zum Einsatz,“ so ein Ergebnis des aktuellen Forschungsberichtes „Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung.“ Als Kern einer gelingenden Sprachbildung können die Wünsche, Sorgen und Entdeckungen der Kinder, die sie für mitteilenswert halten, angesehen werden.

Es kommt entscheidend darauf an, ob die Erwachsenen diese Mitteilungen verstehen und angemessen auf die jeweiligen sprachlichen Äußerungen reagieren. Das setzt ein fundiertes Wissen über den Spracherwerb der Kinder voraus und verlangt von Erzieherinnen und Erziehern eine empathische, wertschätzende Haltung. Neben dem Verstehen der jeweiligen Situation geht es auch um das Erkennen und Beachten der individuellen Spracherwerbstrategien. Das ist nur durch eine aufmerksame Begleitung zu leisten. Damit wird ein Grunddilemma gegenwärtiger Kindergartenpraxis sichtbar: die Diskrepanz zwischen Anforderungen und unzureichenden Rahmenbedingungen.

Im Vortrag wird zunächst die sprachliche Entwicklung skizziert. Im Zentrum stehen allerdings die vielfältigen sprachlichen Aktivitäten der Kinder und die jeweiligen Interaktionsformen. Videoausschnitte sollen Auskunft geben über die Interaktionsqualität, die in Situationen des Alltags sichtbar werden. Hintergrund dafür bildet die gemeinsame Arbeit mit dem Team der KITA Pfalz-Grona-Breite in Göttingen.

Karl Gebauer, Dr. phil., war bis 2002 Rektor der Leinebergschule in Göttingen. Er ist Mitinitiator der Göttinger Kongresse für Erziehung und Bildung, die er heute zusammen mit Ulrich Geisler (IBE) leitet. Mit dem Team der KITA Pfalz-Grona-Breite (Göttingen) hat er sich im vergangenen Jahr schwerpunktmäßig mit der Bedeutung der Interaktionen in Sprachbildungsprozessen beschäftigt. Er ist Verfasser und Herausgeber zahlreicher Bücher über Erziehung und Bildung.

Iris Wittorf, Erzieherin, Jg. 1968. Seit 1989 im Kindergarten Ernst Fahlbusch-Haus (Stadt Göttingen), seit 2005 in der Krippe Pfalz-Grona-Breite (Stadt Göttingen) und seit Herbst 2011 Beteiligung an der Qualifizierungsoffensive des Deutschen Jugendinstituts München: „Sprachliche Bildung und Förderung für Kinder unter Drei.“

Veronika Niewa, Erzieherin, Jg. 1975. Seit 1998 Nachmittagskraft in der Kita Gartenstraße (Stadt Göttingen), seit 2011 Erzieherin in der Krippe Pfalz-Grona-Breite (Stadt Göttingen) und seit Herbst 2011 Beteiligung an der Qualifizierungsoffensive des Deutschen Jugendinstituts München: „Sprachliche Bildung und Förderung für Kinder unter Drei.“

Dr. Natalie Knapp

Natalie KnappMIT DER UNSICHERHEIT FREUNDSCHAFT SCHLIESSEN

Als ich nach dem Studium zu arbeiten begann, hatte ich das große Bedürfnis, im Beruf profes- sionell zu werden und mich dadurch endlich sicher zu fühlen, sicher, alles richtig zu machen! Doch nach zehn Jahren fühlte ich mich noch immer nicht auf die Weise sicher, die ich mir zu Beginn ausgemalt hatte. Denn die Möglichkeit des Scheiterns ist in komplexen Aufgabenfel- dern immer gegeben. Zum einen, weil kaum ein Arbeitsschritt „nur“ von mir abhängt, und zum anderen, weil es unmöglich ist, gleichzeitig ein aktiver Teil eines Geschehens zu sein und in jedem Augenblick den Überblick zu behalten. Irgendetwas läuft immer anders, als wir uns das vorgestellt haben. Und manchmal hält uns gerade die scheinbare Sicherheit der Routine davon ab, angemessen zu reagieren. Denn im instabilen Zustand der Unsicherheit sind wir oft am besten in der Lage, gleichzeitig gewissen- haft und kreativ zu sein, weil wir alles, was ge- schieht, mit wachen Sinnen begleiten und weil wir erst gar nicht von uns erwarten, perfekt zu sein. Die Unsicherheit ist das Wahrnehmungs- organ, das es uns erlaubt, mit dem augenblick- lichen Geschehen wirklich in Kontakt zu sein – mittendrin, aufmerksam und lebendig. Denn Lebendiges können wir nur erfassen, wenn wir selbst zum Resonanzkörper dessen werden, was sich im Augenblick ereignet. Dieser verletz- liche Zustand ist gewöhnungsbedürftig, aber die damit einhergehende Unsicherheit ist ein ebenso großes Gut wie die Sicherheit. Wenn wir lernen, sie neu zu bewerten, wird sie zu einem wertvollen Orientierungssinn.

Dr. Natalie Knapp studierte Philosophie, Literaturwissenschaften, Religionsphilosophie und Religi- onsgeschichte in Freiburg i.Br. Seit 2000 arbeitet sie als freie Autorin und Kulturredakteurin beim SWR und veröffentlichte zahlreiche Radiofeatures über Kultur, Philosophie und Wissenschaft. Seit 2008 Autorin verschiedener Sachbücher zum Thema anders denken lernen, Veränderungsprozesse unter- stützen und Komplexität bewältigen. Als philosophische Beraterin leitet sie Seminare und hält Vorträge in Deutschland, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist das Thema Bewusstseinswandel im 21. Jahrhundert.