Prof. Dr. Timm Albers

albersSprache als Kernpunkt der Entwicklung – Möglichkeiten der alltagsintegrierten Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen

Mehr denn je stehen Kindertageseinrichtungen vor der Aufgabe, Kinder in ihrer Sprachkompetenz zu unterstützen. In der fachlichen und bildungspolitischen Diskussion gibt es noch viele offene Fragen.

Obwohl Ergebnisse aus internationalen Schulleistungsvergleichen zeigen, dass der Schulerfolg eng an sprachliche Kompetenzen gekoppelt ist, wissen wir noch viel zu wenig darüber, welche sprachlich-kommunikativen Strategien drei- bis sechsjährige Kinder in der Interaktion mit Gleichaltrigen (Peers) sowie mit pädagogischen Fachkräften anwenden und inwiefern die sprachliche Umwelt im Kindergarten einen förderlichen Einfluss auf die Sprachentwicklung hat. Auch in der Konzeption von Sprachstandserhebungen und Förderprogrammen wurde die Bedeutung der Interaktion für die Entwicklung sprachlicher Kompetenzen bislang weitgehend vernachlässigt. Dabei ist die Frage, inwieweit ein Kind, sich im Kindergarten im Kontakt und Spiel mit andern Kindern einbringt, und welche Strategien es dabei entwickelt eine wesentliche Entwicklungsaufgabe.

Wie Kinder miteinander kommunizieren,wie sie sich zum Spiel zusammenfinden, wie sie Konflikte klären und Lösungen finden, hängt maßgeblich mit der „peerkultur“ (vg. Corsaro 2011) zusammen, die für pädagogische Fachkräfte eine besondere Herausforderung darstellt. Ein Beispiel: Greifen Erwachsene ins Spielgeschehen ein, um Kinder in die Spielgruppe zu integrieren, hat dies oft gravierende Folgen für das Zusammenspiel. Es gerät ins Stocken oder wird sogar abgebrochen. Die ursprüngliche Gruppe löst sich auf. Insofern gilt es für Fachkräfte, effektive Strategien zu finden, um Kindern den Zugang zur Gleichaltrigengruppe (Peergroup) zu ermöglichen und sie dadurch in ihrer sprachlichen Entwicklung zu fördern. Im Vortrag werden Ergebnisse aktueller Studien im Kontext Sprachförderung dargestellt und im Zusammenhang mit Konsequenzen für eine alltagsintegrierte Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen diskutiert.

Dr. Timm Albers, Junior Professor an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, Institut für Bildungswissenschaft. Seit 2005 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover, seit 2007 Akademischer Rat in der Abteilung allgemeine und integrative Behindertenpädagogik und sonderpädagogische Soziologie. Seit dem Sommersemester 2010 ist er Gastprofessorw der Freien Universität Bozen, Fakultät für Bildungswissenschaften im Laureatsstudiengang Bildungswissenschaften für den Primarbereich. Der Laureatsstudiengang qualifiziert für die Ausübung des Erziehungsund Unterrichtsberufes im Primarbereich (Kindergarten und Grundschule).

Dr. Joachim Bensel

benselEingewöhnung in Krippe und Kita

Die Eingewöhnung eines Kindes in den Kindergarten ist die erste Hürde, die vom Kind nur dann gemeistert werden kann, wenn Eltern und Erzieherinnen diese pädagogische Aufgabe gemeinsam in Angriff nehmen. Die Einrichtung kann noch so gut sein, sie kann den Eltern die Beteiligung an dieser Startaufgabe nicht abnehmen. „Gewöhnen Sie mir bitte die Charlotte ein“, das klappt nicht. „Elternbegleitet“ und nach dem „individuellen Bezugspersonensystem“ ausgerichtet laufen gute Eingewöhnungen ab und bereiten erfolgreiche Kindergartenlaufbahnen vor.

Wichtig bei einer Trennung ist nicht nur, wer geht, sondern auch, wer beim Kind bleibt. „Alte“ und „neue“ Bezugsperson müssen anfangs gemeinsam für das Kind eine Brücke zwischen den Welten schlagen. Gelingt es der Erzieherin im Beisein von Mutter oder Vater eine Beziehung zum Kind aufzubauen, es trösten, mit ihm spielen und lachen, dann kann dieses eine vorübergehende Trennung von der Hauptperson akzeptieren, ohne großen Stress und ohne lähmende Trauer. Die Trennungszeit wird dann nicht nur überstanden, sondern genussvoll erlebt, die Bereicherung durch die Anwesenheit anderer Kinder wird wahrgenommen. Wenn ein Kind versteht, was beim Übergang geschieht, die Herausforderung für bewältigbar hält und seinen eigenaktiven Anteil daran erkennt, kann eine behutsame Eingewöhnung die Herausbildung seines Kohärenzgefühls unterstützen.

Anfangs geht es darum, ob der Trennungsschmerz verkraftbar ist, ob die neue Bezugsperson vom Kind akzeptiert wird und ob sie in der Lage ist, als vorübergehende Sicherheitsbasis zu fungieren, die es dem Kind erlaubt, auch in der neuen Umgebung aktiv zu werden. Den Umgang mit Trennungen und Abschieden muss man lernen, auch die Eltern. An die Eingewöhnung schließt die Startzeit in der Einrichtung an, in der sich alle Beteiligten an die neue Situation gewöhnen, vor allem wenn Ankommhilfe für Kind und Eltern geleistet wird.

Joachim Bensel, Dr. rer. nat., geboren in Frankfurt am Main, Vater einer Tochter, Verhaltensbiologe, Studium der Biologie in Darmstadt, Freiburg und München. Fachbuchautor, u. a. Mitverfasser des 14-bändigen Standardwerks „Lexikon der Biologie”. Seit 1993 Forschungen auf dem Gebiet des Säuglingsschreiens, Leiter der „Freiburger Säuglingsstudie”. Referent auf vielen internationalen Kongressen.

Prof. Dr. Brigitte Boothe

bootheVom Charme des Kindes zur attraktiven Person

Eltern antworten auf kindlichen Charme. Sie pflegen das Kind nicht nur, sie freuen sich an seinem Reiz. Ältere Kinder setzen Charme ein und testen ihre Wirkung. Ohne Charme kein emotional intelligentes Selbstbewusstsein. Charme gibt der positiven Selbstdarstellung das Liebenswerte.

Selbstwert entsteht, indem andere mich wertschätzen. Persönlichkeit entsteht, indem andere mich konfrontieren und ich dem standhalte. Persönlichkeit entsteht in Krisen des Selbstgefühls. Kinder müssen Misserfolge verkraften, Niederlagen und Zurückweisungen hinnehmen. Es ist günstig, wenn ihnen Erwachsene zur Seite stehen, die Humor haben. Es geht darum, dass die Kinder sich ernst genommen fühlen und zugleich Zuversicht gewinnen.

Fortschritte in sozialer und emotionaler Intelligenz macht man nicht im Glück, sondern in der durchlebten Krise. Die Krise des Selbstgefühls überwindet schon beim Kind den unbedingten Selbstbezug. Wer andere gelten lässt und lebhaft die eigenen Ziele verfolgt, beeindruckt als attraktive Persönlichkeit.

Brigitte Boothe (63) ist Professorin für klinische Psychologie Psychotherapie und Psychoanalyse an der Universität Zürich. Sie ist derzeit Sprecherin des neuen universitären Psychotherapeutischen Zentrums des Psychologischen Instituts und Leiterin der postgradualen universitären Weiterbildungsgänge in psychodynamischer Psychotherapie und in Psychologischer Gesprächsführung und Beratung. Im Zentrum ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit stehen Erzählen in der Psychotherapie, Gesprächsforschung und Psychoanalyse des Wünschens.

Prof. Dr. Olaf-Axel Burow

burowPositive Pädagogik: Wege zu Lernfreude und Schulglück 

Wie kommt es, dass kaum jemand Schule als Ort des Glücks erfährt, obwohl doch Lernen ein mit Lust besetztes Grundbedürfnis des Menschen ist? Zuviele Lehrer, Schüler und Eltern sind gestresst und es gibt ernstzunehmende Hinweise, dass Schule sogar ihre Gesundheit gefährdet.

Dabei startete die Pädagogik doch ursprünglich mit einem ganz anderen Programm: „Erziehung ist Bildung des Menschen zur Glückseligkeit“ postulierte der erste Lehrstuhlinhaber der Pädagogik, Johann-Christian Trapp, 1780 in Halle. Seitdem ist das Glück aus der Pädagogik verschwunden.

In einem knappen Abriss zeichnet Burow den Prozess der Vertreibung des Glücks nach, der mit Humboldt begann und mit der Vermessung der globalisierten Schüler und Lehrer nach PISA & Co einem neuerlichen Höhepunkt entgegenstrebt.

Diese Analyse bildet den Hintergrund für eine Vorstellung von Konzepten und Theorien, die nicht nur geeignet sind, Glück und Freude in die Schule zurückzuholen, sondern auch Perspektiven für eine zukunftsfähige Schule in Zeiten von grundlegenden gesellschaftlichen Umbrüchen aufzeigen.

Auf dieser Basis stellt Burow sieben sofort begehbare Wege zu Spitzenleistung und zum Schulglück vor, die von der „Renovierung als Chance“, über „Schulgründung statt Burnout“ bis zu Verfahren zur Gestaltung pädagogischer Tage, wie „Wertschätzende Schulentwicklung“, „Zukunftswerkstatt gesunde Schule“, „Index für Inklusion“, „Art Coaching“ und dem Konzept der „Schule als Kreatives Feld“ reichen.

Burow hat in den letzten Jahren eine Vielzahl von Schulen und Bildungsinstitutionen erfolgreich beraten. Die Verfahren beruhen auf diesen Erfahrungen.

Dr. Olaf-Axel Burow (Jg.51) ist Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel. Derzeitiger Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung der Theorie des Kreativen Feldes und deren Umsetzung mit spezifischen Verfahren in den Bereichen Kreativitäts-, Begabungs- und Innovationsförderung, Schul- und Organisationsentwicklung, Bürgerbeteiligung, Social Entrepreneurship

Wolfgang Endres

endresKlimakonferenz im Klassenzimmer – Ein gesundes Lernklima fördert die Motivation und stärkt die Persönlichkeit

Respektvolles Verhalten sich selbst und anderen gegenüber ist eine der wichtigsten Rahmenbedingungen für das Gelingen von Unterricht. Unterrichtsstörungen werden in vielen Studien als einer der größten Stressfaktoren in der Lehrerbelastung ausgewiesen. Die Wirksamkeit des Unterrichts wird dadurch stark beeinträchtigt, es geht sehr viel Lernzeit verloren, das Lernklima verschlechtert sich immer mehr. Da braucht es dringend einen „Klimaschutz“ im Klassenzimmer. Denn ein besseres Lernklima sorgt dafür, dass die Schüler sich aktiv(er) am Unterricht beteiligen. Ein gesundes Lernklima fördert die Motivation und stärkt die Persönlichkeit.

Inhalte des Vortrags:

  • Kooperative Lernarrangements
  • Kommunikationsübungen und Rhetoriktraining
  • Strategien für ein gutes Lernklima durch Feedbackmethoden
  • Humor im Unterricht – ein Erfolgsfaktor beim Lernen

Wolfgang Endres; Lehrer und Erzieher, Gründer und langjähriger Leiter des „Studienhaus am Dom“ in St. Blasien, Referent in der Lehrerfortbildung, Mitbegründer und Organisator des BeltzForums.

Prof. Dr. Bernd Fittkau

fittkauPersönlichk eitsentwicklung zw ischen Hoffnung, Angst und Ideologie

Wo kommen wir her – wo gehen wir hin? Ich teile Konrad Lorenz’ Einschätzung: „Der Übergang vom Tier zum Menschen, das sind wir“.

„Persönlichkeitsentwicklung“ (PersE) ist ein Abschnitt auf diesem Weg – zumindest in den westlich geprägten Kulturlandschaften dieser Welt. Man kann unter PersE den Differenzierungs- Prozess menschlicher Potentiale verstehen.

„Angst“ – eine wesentliche Überlebens- Ressource aus unserer biologischen Evolution – treibt uns auch an Stellen (in die Flucht), wo unsere kulturelle Evolution Entwarnung signalisieren könnte. Wenn schon oft fluchtgetrieben, dann doch wenigstens in eine sinnvolle Richtung!

„Hoffnung“ gibt uns Richtung und ist ein wichtiges Prinzip unserer Kulturentwicklung. Dennoch: Fukushima und andere aktuelle Krisen zeigen, dass wir an vielen Stellen zu wenig Angstreflexe entwickeln konnten und uns keine „biologischen Warnleuchten“ vor dem Abgrund schützen, gerade wenn wir uns hoffnungs- und konsumtrunken dem Weg des Fortschritts und Wachstums überlassen. Hier gilt es, ein aufgeklärtes Risikobewusstsein zu entwickeln und zu kultivieren.

Wollen wir in unserer globalisierten und wirtschaftlich- technisch dominierten Welt überleben, brauchen wir auf unseren Wegen „rote Warnleuchten“, die uns Abgründe frühzeitig signalisieren und „grüne Hoffnungsziele“, die wir sinnvoll und nachhaltig ansteuern können.

Ich werde in meinem Vortrag auf vier Persönlichkeits- Entwicklungs-Phasen und nützliche Persönlichkeits-Modelle eingehen und „rotgrüne“ Nachhaltigkeits-Empfehlungen für unsere PersE ableiten:

  1. Lebenszyklus (0 – 25 J.): Lernen der kulturellen und wissenschaftlichen Techniken, um eigenverantwortlich leben und soziale Verantwortung übernehmen zu können. – Psychoanalytisches Persönlichkeitsmodell / Maslows Bedürfnispyramide. – „Marshmallow“-Erfahrungen: Lernen von Impuls-Kontrolle und Bedürfnis- Aufschub; Förderung von Selbstwert durch Begeisterung, entdeckendem Lernen und Resilienzkompetenzen.
  2. Lebenszyklus (25 – 50 J.): Lösen und Weiterentwickeln der privaten und beruflichen Praxisherausforderungen. – Neun Archetypen des „Enneagramms“, „Riemann-Fittkau-Werteraum“ und „Inneres Team“ als Persönlichkeitsmodelle. – „Diversity“-Kompetenzen fördern; starke Rollen situativ stärken und komplementären Rollen nachhelfen; selbstbestätigte Intimität in der Partnerschaft lernen; systemisches Denken und (Work-) Life-Balance weiter entwickeln.
  3. Lebenszyklus (50 – 75 J.): Eigene Lebenserfahrungen weitergeben und Nachfolger beratend unterstützen. – Persönlichkeits-Modell der Hirnforschung – Dissoziation/Disidentifikation von den menschlichen Leidenschaften; Achtsamkeitstraining; Weisheits-Kompetenzen entwickeln und balancieren.
  4. Lebenszyklus (75 J. +): Möglichst lange eigenständig und sozial eingebunden leben und sich in Würde von dieser Welt verabschieden.

Hoffen wir, dass Hölderlin Recht behält mit seiner Hoffnungsbotschaft „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“. Wie schnell kann Rettendes wachsen angesichts der technologischen Schnelligkeit? Unser Geist kann mit Hilfe der global wirksamen Medien schnelles Handeln bewirken – bei hinreichend einsichtigen Menschen mit genügend nachhaltig wirksamer Bildung. Deshalb darf Bildung kein Ziel für Eliten sein – dann droht Ideologisierungsgefahr. Die Welt in ihrem Prozess der kulturellen Evolution braucht Bildung für alle und global!

Prof. Dr. Bernd Fittkau

  • Studium der Mathematik und Psychologie an der Universität Hamburg (Abschluss: Dipl. Psych. und Promotion, 1961-68)
  • AssistentundDozentfürKlinischeundPädagogischePsychologieund forschungs-methodischer Berater, Universität Hamburg, 1968-73 (Prof. Dr. Reinhard Tausch),
  • PionierdesKommunikationstrainingsfürFührungskräfte(gemeinsammitProf. Dr. Friedemann Schulz von Thun; Buchveröffentlichungen)
  • Univ.-ProfessorfürPädagogischePsychologieundBeratunganderUniversität Göttingen (1973-2006), Entwicklung und Durchführung eines Curriculums für Pädagogische Beratung (Buchveröffentlichung)
  • ZusatzausbildungeninverschiedenenberatungsrelevantenVerfahrenderHumanistischenPsychologie (Klientenzentrierter Gesprächstherapie, Gestalttherapie und Hypnotherapie)
  • Parallel zur Hochschullehrer-Tätigkeit seit 1970 Praxistätigkeit als Führungskräfte-Trainer, -Coach, Teamentwickler, Organisationsberater, Trainerausbilder; Mitarbeit in verschiedenen Berater-Netzwerken (Buchveröffentlichungen)
  • Nach BeendigungderHochschullehrer-Laufbahn:PartnerinBerater-Netzwerken;Wissenschaftlicher Beirat der Göttinger Kongresse für Erziehung und Bildung, der Gemeinwohl-Ökonomie, des Verbandes Deutscher Präventologen; Coaching zur Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung in eigener Praxis in Hamburg

Dr. Gabriele Haug-Schnabel

haug-schnabelKonflikte in Krippe und Kindergarten – Zuerst verstehen, dann professionell reagieren

Aggressivität und Konflikte gehören zur kindlichen Sozialisation dazu, sind sogar wesentliche Bestandteile der Persönlichkeitsbildung. Im Kleinstkindalter ist aggressives Verhalten noch in der Erprobungsphase, deshalb ist eine professionelle Reaktion jetzt besonders wichtig. Wir nennen die Kinder sozialkompetent, die mit Emotionen, fremden wie eigenen, umgehen können. Wir erwarten auch, dass die Kinder ihren Anteil an Konflikten kennen, immer mehr soziales Wissen speichern und Regeln beachten, da sie diese als nötig erfahren haben. Konflikte sind wichtig, denn ihnen liegt ein gegenseitiges Interesse zugrunde, sie sind meist das Resultat einer gemeinsamen Aktivität und stellen somit eine wichtige Erfahrung im Gruppenleben dar.

Damit Konflikte bewältigt werden können, braucht es einige Entwicklungsschritte und viele begleitete Erfahrungen mit gleichaltrigen und etwas älteren Kindern, um in anspruchsvollen Situationen die Gefühle seines Gegners und sein eigenes Empfinden miteinander vergleichen zu können.

Oft sind wir von der vitalen Aggressivität der Babys und Kleinstkinder überrascht, die darum kämpfen, bei ihren Tätigkeiten nicht gestört oder unterbrochen zu werden und die genau den Gegenstand erobern wollen, mit denen sich der oder die andere gerade intensiv beschäftigt. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass es hier um das Erkämpfen neuer Erkenntnisse und Fähigkeiten geht, also um wichtige Entwicklungsschritte. Es erstaunt auch immer wieder positiv, wie häufig eigene Ideen der Kinder zur Konfliktlösung beitragen und dadurch gemeinsames Weiterspielen möglich wird, während das vorschnelle Eingreifen Erwachsener bedeutend häufiger zum Spielende führen kann.

Gabriele Haug-Schnabel, Privatdozentin Dr. rer. nat., Mutter zweier Kinder, Biologie- und Ethnologiestudium in Freiburg, Spezialisierung zur Verhaltensbiologin, Promotion, nach interdisziplinärer Habilitation (Biologie, Medizin, Psychologie) Lehrbeauftragte an der Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftlichen Fakultät (Institut für Psychologie) der Universität Freiburg, Beteiligung an mehreren interdisziplinären Forschungsprojekten zum kindlichen Verhalten und internationalen Arbeitskreisen zur Verhaltensbeobachtung und –analyse. Inhaberin und Leiterin der 1993 gegründeten Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM, GdbR). Autorin von Rundfunksendungen und zahlreichen Fachbüchern zum kindlichen Verhalten, Referentin auf internationalen Kongressen, in Aus- und Fortbildungseinrichtungen für Erzieher, Pädiater, Kinder- und Jugendpsychiater, klinische Verhaltenstherapeuten und Sozialpädagogen. Angebot einer Spezialberatung für Eltern mit Fragen zur Entwicklung und Erziehung ihrer Kinder.

Vera Kaltwasser

kaltwasserPersönlichk eit und Präsenz – Die Haltung der Achtsamkeit

Was hat es mit der Haltung der Achtsamkeit auf sich und inwiefern befördert sie die Fähigkeit der Präsenz?

Die wissenschaftliche Forschung aus den Bereichen der Hirnforschung und Psychologie hält hier Antworten bereit, die vor allem das enge Wechselspiel zwischen Körper, Gedanken und Gefühlen betreffen und Schlussfolgerungen für die Bedeutung einer Schulung der Achtsamkeit in pädagogischen Handlungsfeldern nahe legen, und zwar für Lehrer wie für Schüler.

Im Rahmen des Vortrages werden die theoretischen Grundlagen und jüngsten Ergebnisse der Achtsamkeitsforschung erläutert und Konzepte zur Umsetzung im schulischen Alltag vorgestellt, die den Teilnehmenden helfen können, im Berufsleben ihren ganz persönlichen inneren und äußeren Stressoren auf die Schliche zu kommen, sie wahrzunehmen und zu entschärfen.

Die Bewusstheit für eigene, festgefahrene Muster befreit und ermutigt dazu, die Bandbreite der eigenen Fähigkeiten auszuloten und ohne Angst im pädagogischen Handeln neue Wege zu erproben, präsent und authentisch zu sein.

Vera Kaltwasser stellt ihr Interventionsprogramm AISC HU (Achtsamkeit in der Schule) vor, das Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Studie begleiten.

Vera Kaltwasser

  • Studium der Germanistik, Anglistik und der Pädagogischen Psychologie in Frankfurt, Bristol und London, Erstes und Zweites
  • Staatsexamen, OStR, Ausbildung in Psychodrama (Moreno-Institut Stuttgart);
  • Beratung (Paritätische Akademie, Frankfurt), Theaterpädagogik (Akademie Remscheid, Akademie Scheersberg), Raucherentwöhnung (IFT, München);
  • Qigong (Zulassung bei Gesetzlichen Krankenkassen); Weiterbildung in MBSR (Mindfulness-Based-Stress-Reduction) bei Jon Kabat- Zinn und Saki Santorelli; Weiterbildung im „Freiburger Lehrercoaching” (Prof. Dr. J. Bauer)
  • Autorin (u.a. Rundfunk Features zu den Themenbereichen Literatur und Psychologie, Beiträge in Fachzeitschriften, Sachbuch, Belletristik)(Mitglied im „Syndikat”, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren);
  • Mitglied im Stiftungsrat der Sinn-Stiftung

Prof. Dr. Katja Koch

kochEvaluation unterschiedlicher Sprachförderkonzepte

Das Aufgabenfeld Sprache erfährt im Elementarbereich seit einiger Zeit neue Aufmerksamkeit. Ein gelungener Spracherwerb gilt als eine der wichtigsten Voraussetzungen für gelingende kindliche Bildungsund Entwicklungschancen. Die vor allem mit den internationalen Leistungsstudien transportierte Erkenntnis, dass die Beherrschung der Unterrichtssprache Deutsch eine wichtige Voraussetzung für schulischen Erfolg aller Kinder sei, entfaltete auch im Elementarbereich eine deutliche Wirkung. Der Auftrag zur sprachlichen Förderung wird expliziert in den Bildungs- und Erziehungsplänen der Bundesländer, die als Richtlinie für die Arbeit in den Einrichtungen des Elementarbereichs gelten sollen. Zusätzlich wurden von Seiten der Kultusbürokratie Mittel bereitgestellt, um Maßnahmen zur Sprachförderung von Kindern im Elementarbereich bereits vor der Einschulung zu initiieren. Hiermit verknüpft ist die Hoffnung, dass eine frühzeitige sprachliche Förderung die (zweit-)sprachliche Selbstkompetenz der Kinder so stärkt, dass sie den Übergang in die Grundschule sprachlich gut bewältigen können.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigt sich derzeit mit der Wirksamkeit unterschiedlicher sprachlicher Fördermaßnahmen. Im Fokus stehen dabei die zweitsprachlichen Fortschritte der Kinder in Abhängigkeit von den gewählten Fördermaßnahmen sowie die für die sprachliche Förderung notwendigen Kompetenzen auf Seiten der Erzieherinnen und Lehrerinnen. Bisher deuten die Ergebnisse darauf hin, dass weniger die Formen der Förderung als vielmehr die Interaktionen zwischen den geförderten Kindern und den fördernden Personen bedeutsam für sprachliche Lernprozesse s ind. Vor d iesem H intergrund werden im Vortrag Ergebnisse aus dem vom niedersächsischen Forschungsverbund für frühkindliche Bildung und Entwicklung (FBE ) geförderten Projekt EvaniK (Evaluation unterschiedlicher Sprachförderkonzepte in niedersächsischen Kindertagesstätten) vorgestellt. Dabei wird ein Überblick über die Organisation und Struktur der bisher im vorschulischen und schulischen Bereich unternommenen Sprachfördermaßnahmen gegeben und die Wirksamkeit dieser Maßnahmen sowie deren Grenzen und Schwächen thematisiert.

Prof. Dr. Katja Koch, geg. 1970, studierte von 1989 bis 1995 Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg und promovierte dort 2001 zum Thema „Übergänge in die Sekundarstufe“. Von 2002 bis 2008 war sie als wissenschaftliche Assistentin am Pädagogischen Seminar der Georg-August Universität Göttingen beschäftigt und habilitierte sich 2008 mit einer Arbeit zum Thema: „Zweitspracherwerb von Grundschulkindern nichtdeutscher Herkunftssprache“. Seit 2010 ist sie Professorin für Schulpädagogik an der Technischen Universität Braunschweig. Frau Koch ist Vorsitzende der Kommission Grundschulpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) und Mitherausgeberin der Erziehungswissenschaftlichen Revue (EWR). Zentral für Ihre Forschungen sind Fragen zum Passungsverhältnis von Individuum und Institution und hieraus resultierende pädagogische Herausforderungen.

Prof. Dr. Remo Largo

largoJedes Kind ist als soziales und lernendes Wesen einmalig 

Kinder sind einmalige Wesen. Sie sind bereits bei der Geburt sehr verschieden und entwickeln sich im Verlaufe der Kindheit in jeder Hinsicht immer unterschiedlicher. Die sozialen Begabungen wie Bindungsverhalten, nonverbale Kommunikation, soziales Lernen und soziale Kognition sind von Kind zu Kind unterschiedlich angelegt und werden durch unterschiedliche Beziehungserfahrungen unverwechselbare individuelle Eigenheiten. Genauso vielfältig sind die Begabungen, die sich das Kind durch jahrelanges Lernen erwirbt.

Es gibt keine Fähigkeit, die bei allen Kindern gleich ausgeprägt wäre. Jedes Kind weist ein individuelles Begabungsprofil auf.

Jedes Kind ist ein Unikat. Es ist ein Grundbedürfnis des Kindes, zu dem Wesen zu werden, das in ihm angelegt ist. Um sein Wesen so gut als möglich zu entwickeln, will das Kind aktiv und selbst bestimmt lernen. Es ist ein Gebot unserer Zeit, dass wir Erwachsene das Kind als Individuum achten. Wir sollten uns davor hüten, das Kind nach unseren Vorstellungen bilden und uns im Kind verwirklichen zu wollen.

Remo Largo (67) ist emeritierter Professor für Kinderheilkunde. Er hat von 1975 bis 2005 die Abteilung «Wachstum und Entwicklung » an der Universitäts-Kinderklinik Zürich geleitet. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Tätigkeit standen die Züricher Longitudinalstudien, in denen die Entwicklung von mehr als 800 Kindern von der Geburt bis ins Erwachsenenalter erforscht wurde. Largo publizierte 120 wissenschaftliche Arbeiten sowie populär-wissenschaftliche Fachbücher wie «Babyjahre» (1993), «Kinderjahre» (1999), «Glückliche Scheidungskinder» (2004) und «Schülerjahre» (2009). Remo Largo ist Vater von drei Töchtern und Grossvater von vier Enkelkindern.