Prof. Dr. Olaf-Axel Burow

Wertschätzende Schul – und Organisationsentwicklung – Wie man das verborgene Wissen der Vielen erschliesen kann

Ein merkwürdiger Widerspruch charakterisiert die Entwicklung unserer Erziehungsund Bildungseinrichtungen: Während wir immer mehr explizites Wissen über entwicklungsförderliche Umgebungen durch aufwändige Forschungsprojekte produzieren, setzt sich dieses Wissen nur unzureichend im Alltag unserer Institutionen um. Ein Grund – so meine These – besteht darin, dass wir zu wenig das verborgene Wissen der Vielen, also von allen an Bildung und Erziehung Beteiligten beachten und wertschätzen. In unserer langjährigen Arbeit hat sich gezeigt: Lehrer, Sozialpädagogen, Schüler, Eltern sowie die anderen beteiligten Personen, wissen sehr genau, was eine „gute Schule“, einen „guten Hort“ bzw. eine „gute Einrichtung“ ausmacht, nur wird dieses verborgene Wissen zu selten abgefragt und genutzt. In meinem Vortrag möchte ich einen Einblick in Theorie und Praxis der „Wertschätzenden Schul- und Organisationsentwicklung“ geben und damit Wege aufzeigen, wie man das verborgene Wissen der Vielen erschließen kann.

Dr. Olaf-Axel Burow (Jahrgang 1951) ist Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel. Derzeitiger Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung der Theorie des Kreativen Feldes und deren Umsetzung mit spezifischen Verfahren in den Bereichen Kreativitäts-, Begabungs- und Innovationsförderung, Schul- und Organisationsentwicklung, Bürgerbeteiligung, Social Entrepreneurship. Kontakt: burow@uni-kassel.de

Dr. Armin Krenz

Bildung durch Bindung – offensives Handeln gegen den funktionsorientierten Bildungswahn in der Kleinkindpädagogik

Das große Thema „Bildung“ von Kindern im Kindergartenalter ist in aller Munde – ausgelöst durch die Studien PISA und eine „Neuorientierung“ auf eine „Bildung aus 2. Hand“. Dabei wird außer Acht gelassen, dass es eine Wiederholung der klassischen Vorschulpädagogik der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts ist. Ob es dabei um Sprachbildung, naturwissenschaftliche oder ästhetische Bildung, Zweisprachigkeit oder „Literacy“ geht – vielen Erwachsenen (ErzieherInnen und Eltern) scheint es offensichtlich primär darauf anzukommen, dass möglichst kein „Zeitfenster“ ungenutzt bleibt. Kinder werden als „Stopfgänse“ – so die Süddeutsche Zeitung – betrachtet, Kindheiten werden zunehmend „vernünftelt“ und kindeigene Lernstrategien werden missachtet. Doch in einer „real-kindorientierten Elementarpädagogik“ kommt es darauf an, wie eine Förderung von Kindern gestaltet wird, was Kinder in welcher Form lernen können, was Bildung grundsätzlich bedeutet und welche „Bildungsmaßnahmen“ nachhaltige Lernauswirkungen haben bzw. kontraproduktiv sind. In diesem Vortrag geht es darum, eine kritische Bestandsaufnahme der Begriffe „Lernen / Förderung/ Bildung“ vorzunehmen und kompetente Konsequenzen für die Praxis abzuleiten.

Dr. phil. Armin Krenz, geb. 1952, arbeitet seit 1985 am außeruniversitären „Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik, IFAP, in Kiel“. Arbeitsschwerpunkt: Elementarpädagogik (entwicklungspsychologisch orientierte Grundlagenpädagogik; Qualitätsentwicklung; Basiskompetenzen elementarpädagogischer Fachkräfte). Tätigkeitsfelder: Forschung im o.g. Arbeitsschwerpunkt (Vernetzung: Bildungs-/ Bindungsforschung + Entwicklungspsychologie) sowie Organisations-/Institutions-/ Personberatung (in Deutschland und im europäischen Ausland) und psychotherapeutische Arbeit im Rahmen besonderer Fragestellungen. Herausgeber des Standardwerkes „Handbuch für ErzieherInnen in Krippe, Kindergarten, Kita und Hort“. www.ifap-kiel.de

Hermann Städtler

Schulentwicklung gesund gestalten : Stärken ansprechen – Potentiale freisetzen

Die Fridtjof-Nansen-Schule in Hannover beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie die Ressourcen von Kolleg(inn)en stärker in die Schulentwicklung eingebracht und so ihre Selbstwirksamkeit erhöht werden kann. Die Stärken der Lehrkräfte anzusprechen, ist die wichtigste Entwicklungsaktivität und entscheidender Hebel, um die Schulprogrammarbeit in Gang zu setzen und dafür zu sorgen, dass Lehrer(inn)en Mut und Zuversicht in die eigenen Kräfte fassen.

Die Arbeit in unserer Schule basiert auf dem ressourcenorientierten Ansatz der Salutogenese (Entstehung von Gesundheit), der auf einem sehr umfassenden Gesundheitsbegriff in Abgrenzung zur Pathogenese (Entstehung von Krankheit) basiert und vor allem die Fähigkeit jedes Einzelnen zur Erhaltung und Stärkung seines Wohlbefindens fördern will. Dabei ist das Kohärenzgefühl (Zuversichtssinn) die Grundlage für seelische und körperliche Gesundheit und für die Leistungsfähigkeit im Berufsleben (Antonovsky 1997). Der Kohärenzsinn ist die wichtigste Widerstandsressource gegen berufsbedingte Belastungen und wird von drei Dimensionen gebildet:

  1. Verstehbarkeit (Kann ich verstehen, was von mir in meinem Beruf verlangt wird? Ist das spezifische Anforderungsprofil dieser Schule für mich klar und eindeutig?)
  2. Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit (Kann ich mit meinen Fähigkeiten die Anforderungen bewältigen? Sind die Herausforderungen für mich handhabbar?)
  3. Sinnhaftigkeit (Kann ich den Sinn meines Tuns erkennen? Empfinde ich die Bearbeitung von auftretenden Problemen wichtig und ist es sinnvoll, meine Kraft dafür einzusetzen?)

Wollen Lehrer(inn)en gesund und motiviert bleiben, müssen sie die Anforderungen ihres Schulalltages immer wieder auf ihre Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit hin überprüfen und die Anforderungen ggf. modifizieren. Die Erfahrungen unseres Kollegiums belegen, dass wir die Anforderungen unseres Berufes gut bewältigen können, wenn wir selbst in der Schule für ein Klima sorgen, in dem sich eigene Stärken und Ressourcen entwickeln können. Grundlage unserer wertschätzenden Zusammenarbeit ist die Präambel, an der das Kollegium z.T. kontrovers unter Leitung von Frau Dr. Eva Busch, Winnicott Institut Hannover, gearbeitet hat. Die Präambel ist für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern und alle weiteren Mitarbeiter der Schule gleichermaßen verbindlicher und sinnstiftender Orientierungsmaßstab.

Die Handhabbarkeit und Bewältigungsmöglichkeit unserer Tätigkeit sind durch unser Schulprogramm und den sorgfältigen Umgang mit fremder und eigener Lebenszeit gesichert. Durch geeignetes Zeit- und Stressmanagement erfahren wir täglich Wertschätzung und sorgen für Wertschöpfung.

Ich möchte Ihnen von unseren langjährigen Erfahrungen, besonders im Blick auf Lehrer(inn)engesundheit berichten und mit Ihnen über Umsetzungsstrategien ins Gespräch kommen.

Hermann Städtler, seit 20 Jahren Schulleiter der Fridtjof-Nansen-Schule in Hannover; Leiter des Kultusministeriumsprojekts „Bewegte, gesunde Schule Niedersachsen“. Tätig in der Aus- und Weiterbildung von Lehrer(innen) mit den Schwerpunkten Bewegungswelten und Sport, Konfliktbearbeitung, Lehrer(innen)gesundheit, Schulorganisationsentwicklung. Es besteht eine langjährige Kooperation mit Dr. Eva Busch und dem Winnecott Institut Hannover. Die Fridtjof – Nansen- Schule ist 1. Preisträger des „Deutschen Präventionspreises 2009“.