Kongress 2016

800 Besucherinnen und Besucher beim XVII. Kongress für Erziehung und Bildung. Foto: Jürgen Hast

800 Besucherinnen und Besucher beim XVII. Kongress für Erziehung und Bildung. Foto: Jürgen Hast

XVII. Kongress für Erziehung und Bildung

VERTRAUEN, OFFENHEIT & MUT – BAUSTEINE FÜR EIN GUTES ZUSAMMENLEBEN

am 11./12. November 2016 fand im ZHG der Göttinger Ernst-August-Universität der XVII. Kongress für Erziehung und Bildung statt. Mehr als 800 Personen haben daran teilgenommen.

Die vielen Vorträge, Workshops und Diskussionsforen fanden in einer lebendigen Atmosphäre statt. Es wurden neuere Forschungsergebnisse vorgetragen, es gab vielfältige Anregungen und es fand ein reger Austausch von Erfahrungen statt. Der Kongress erhielt seine besondere Note durch die Beteiligung von geflüchteten Jugendlichen, die zur Zeit die BBS I, Arnoldi-Schule, Göttingen besuchen. Sie waren für das Catering verantwortlich und bereicherten den Kongress durch ihre große Motivation und Freundlichkeit. Musikalischer Höhepunkt des Kongresses war das Konzert des Göttinger interkulturellen Orchesters unter Leitung von Hans Kaul.

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Zum Inhalt

goe-keb-kongressheftDie meisten Kinder entwickeln in den ersten Tagen und Wochen durch körperliche und emotionale Zuwendung von Mutter und Vater eine sichere Bindung. Sie gilt als wesentlicher Schutzfaktor für eine gelingende Entwicklung und als Basis für ein pro-soziales Verhalten.

Viele Kinder sind aber im Verlauf ihrer Entwicklung großen Risikobelastungen ausgesetzt. Das trifft zu, wenn das Leben in der Familie von Disharmonien geprägt ist oder wenn Kinder in chronischer Armut aufwachsen müssen. Die Resilienzforschung sieht darin ein zentrales Entwicklungsrisiko für Kinder. Können frühkindliche Bildungsprozesse die Armutslagen von Kindern beeinflussen, so dass ein Ausstieg aus dem Teufelskreis der Armut möglich erscheint?

Der Kongress findet in einer Zeit statt, in der viele Menschen von Katastrophen und Kriegen bedroht sind. Väter und Mütter sind mit ihren Kindern auf der Flucht, suchen ein neues Zuhause und eine möglichst sichere Zukunft. Angst, Trauer, Verzweiflung und Ohnmacht sind emotionale Begleiter vieler Menschen. Manche Kinder sind durch Krieg und Flucht traumatisiert. Resilienz meint die seelische Widerstandsfähigkeit gegenüber elementaren biologischen und psychosozialen Risiken. Es stellt sich die Frage: Wie können Kinder vor diesem Hintergrund Vertrauen entwickeln, Freude am Leben finden oder gar mutig in die Zukunft blicken?

Spiel, Bewegung, Musik, Malen und Gestalten verbinden und schaffen Voraussetzungen dafür, dass Kinder über Sprachbarrieren hinweg Selbstheilungskräfte und damit eine innere Stärke entwickeln können. Dabei sind sie auf Menschen angewiesen, die sie empathisch begleiten. Innere Stärke basiert nicht nur auf einer individuellen Entwicklung, sondern hat immer auch einen sozialen Erfahrungs- und Handlungsraum.

Die Situation in den Kitas und Schulen wird in den nächsten Jahren von noch mehr Heterogenität geprägt sein. Selbstständigkeit, innere Stärke, Kreativität, Konzentration und Motivation bilden sich vor allem dann aus, wenn erwachsene Bezugspersonen den Kindern Anregungen geben, ihnen aber auch Freiräume gewähren.

Es wird darauf angekommen, ob und wie es Erzieher_innen und Lehrer_innen gelingt, die großen Unterschiede und Erfahrungen im Leben der Kinder bei ihrem Bemühen um Integration zu berücksichtigen.

gebauerDr. Karl Gebauer, Kongressleitung

Foto: Wolfgang Schmidt